Staub, Steaks und echte Begegnungen: Mein Trip mit Peter durch den Nordwesten
30. Januar: Beinahe-Crash auf der C32 und Getriebe-Voodoo
Das Leben ist eigenartig. Vor zwei Wochen kannte ich Peter noch gar nicht – heute sind wir auf großer Tour. Peter ist 84 und verbringt mit seiner Freundin Gabriele genau wie ich drei Monate in Swakopmund. Wir verstanden uns auf Anhieb so gut, dass wir beschlossen: Wir gehen zu zweit eine Woche auf Piste. Gabriele wäre liebend gern mitgekommen, aber sie konnte ihre heiß geliebte Katze nicht über mehrere Tage allein zurücklassen.
Unser Weg führte uns von Swakop über die C32 (die „Karibik“-Route) und die C28 Richtung Omaruru. Auf halber Strecke lernte ich schlagartig, wie gefährlich Schotterpisten sein können. Wir waren seit 100 Kilometern keiner Seele begegnet, als uns in einer langen Kurve plötzlich ein Wagen entgegenkam. Wir beide fuhren mittig. Ich sah uns schon ineinander krachen, aber irgendwie blieben ein paar Zentimeter Luft. Beim Versuch auszuweichen, driftete ich auf dem losen Schotter nur noch weg – ein echter Schockmoment, kurz darauf gefolgt von einem heftigen Regenguss.
Dabei zeigte der Ford Ranger seine Macken. Er ist ein Kraftpaket und hat seinen Job ansonsten ausgezeichnet gemacht, aber nach dem Allrad-Einsatz auf dem nassen Schotter „verspannte“ sich das Getriebe. Das System schafft es dann nicht, den Allrad physisch auszukoppeln, obwohl der Schalter auf 2H steht. Da hilft nur der „Ranger-Trick“: Ein gerades Stück Straße suchen, langsam rückwärtsfahren, dabei leicht hin- und herlenken, dann wieder ein Stück vorwärts. Meistens macht es dann „Klack“, die Lampen erlöschen und das Getriebe „entspannt“ sich.
In Omaruru suchten wir via Internet das Riverside Guest House. Da niemand abnahm, wollten wir schon woanders für 1200 N$ einchecken, als mein Handy klingelte: Ben vom Riverside war dran, entschuldigte sich und bot uns das Zimmer für 800 N$ an. Wir machten sofort kehrt. Abends gab es im Kashana gegenüber ein riesiges T-Bone Steak für mich und Veggie-Pizza für Peter. Ben hatte uns gewarnt, dass die kleine Küche bei Betrieb lange braucht – er hatte recht, aber die Qualität hat alles wettgemacht. Einziger Wermutstropfen: Ich hatte mein Insektenspray vergessen und die Biester haben meinen nackten Beinen ziemlich zugesetzt.
31. Januar: Schweineglück auf dem Supermarkt-Parkplatz
Während Peter gemütlich frühstückte (ich blieb bei meinem OMAD-Kaffee), zeigte mir Manager Sky das Gelände des Riverside. Ben hat das ehemalige Privathaus erst vor zwei Monaten gekauft; noch ist es eine riesige Baustelle, aber es wird sicher fantastisch.
Die 163 Kilometer nach Outjo waren schnell erledigt. Nach einer kurzen Lodge-Suche per Handy (1600 N$ waren mir zu viel) landeten wir in der Kai Oms Backpackers Lodge bei Dion. Für unschlagbare 300 N$ pro Person im besseren Viertel der Stadt – absolut perfekt.
Nach dem Einrichten passierte die zweite brenzlige Situation. Während ich im vollen Supermarkt Moskitospray kaufte, sollte Peter den Wagen sichern. Als ich nach 20 Minuten wiederkam, lehnte er entspannt an der offenen Beifahrertür. Ich probierte die Fahrertür: Sie war nicht verschlossen! Navi, Bluetooth-Box und meine Wanderschuhe lagen offen im Wagen. Wir hatten riesiges Glück, dass in dieser Zeit niemand zugegriffen hat. Den Abend ließen wir in der Etotongwe Lodge ausklingen, auch wenn Wind und Gewitter die Atmosphäre etwas ungemütlich machten.
1. Februar: Opuwo – Wo Afrika wirklich beginnt
Über Kamanjab ging es weiter nach Norden. Ich zeigte Peter Ann’s Lodge, wo meine Frau und ich vor zwei Jahren campiert hatten. Die alten Mitarbeiter waren weg, aber ich zeigte dem neuen Team ein YouTube-Video, wie meine Frau mit ihren Vorgängern tanzte. Sie waren so gerührt, dass sie unbedingt den Link haben wollten.
Nach einem heftigen Regenguss am Etosha-Rand erreichten wir Opuwo. Die erste Lodge wollte 3200 N$ pro Person – und das bei Stromausfall und ohne Generator! Ein freundlicher Wachmann gab uns schließlich den Tipp: das Abba Guest House bei Ursula, einer herzlichen älteren Dame und wohl der einzigen Deutschsprechenden im Ort. Beim fantastischen Fisch-Essen im Koakoland Restaurant brachte Peter es auf den Punkt: Er habe hier in Opuwo zum ersten Mal das Gefühl, so richtig in Afrika angekommen zu sein. Mir ging es ähnlich; dieses ungebundene Fahren durch das leere Land ist einfach herrlich.
2. Februar: Eine spontane Spende und das Herz des Kaokovelds
Morgens erfuhren wir, dass Ursula vor 20 Jahren die Opuwo Christian School gegründet hatte. Da ich noch 100 Euro einer Bekannten für einen guten Zweck dabei hatte (und ein anderes Projekt sich als unseriös entpuppt hatte), fackelte ich nicht lange: Ich hob 2000 N$ ab und übergab sie Ursula direkt für die Schule. Ein verdammt gutes Gefühl. Das Gespräch lieferte mir zudem wertvollen Stoff für meine Hammerschmidt-Story.
Die Fahrt nach Warmquelle führte uns durch den beeindruckenden Otjomatemba Pass. Am Pistenrand hielten wir bei zwei Himba-Schwestern (19 und 26). Für 100 N$ und zwei 3-Liter-Kanister Wasser durfte Peter Fotos machen. Diese Menschen brauchen kein Mitleid, sie strahlen eine Lebensfreude aus, von der wir uns eher eine Scheibe abschneiden könnten.
Der Ongongo Waterfall war eine Qual für den Wagen – Felsen und Schritttempo. Da die Treppen für Peter zu gefährlich waren, steuerten wir den Ranger direkt zur Campsite runter. Das Bad im kühlen, klaren Wasser war die Rettung. Die Nacht verbrachten wir in Sesfontein im Desert Kingdom: Eine Reifenwerkstatt mit Hotelbetrieb für 250 N$. Total afrikanisch, total authentisch.
3. & 4. Februar: Tafelberge und das “namibische Wunder”
In Sesfontein gab es keinen Sprit, was uns aber dank des großen Tanks nicht aus der Ruhe brachte. Im Fort unterhielt ich mich mit der Managerin, einer westlich orientierten Himba – eine perfekte Bestätigung für die Realitätstreue meiner Buch-Idee.
Über das atemberaubende Etendeka-Plateau mit seinen Tafelbergen fuhren wir zum Brandberg Restcamp. Besitzer Basil erkannte mich sofort wieder und wir quatschten über seine letzte Geburtstagsparty. Peter genoss die Stadtrundfahrt vorbei an den Villen der Gegend sichtlich.
Am letzten Tag ging es über die C35 zurück. Der Asphalt ist so perfekt, dass ich völlig vergaß, nicht auf einer deutschen Autobahn zu sein. Ich glitt in Gedanken dahin, als plötzlich die namibische Verkehrspolizei mit Karacho an mir vorbeizog. Ein Blick auf den Tacho: 145 km/h bei erlaubten 120. „Das war’s“, dachte ich. Doch der Streifenwagen raste einfach weiter und ignorierte mich völlig. Ich liebe dieses Land!
Mein Fazit: Der Trip mit Peter war ein voller Erfolg. Menschlich haben wir uns blind verstanden, und für mein Buch war die Reise eine Goldgrube. Peter plant schon seinen nächsten Besuch im Brandberg Restcamp. Basil sagte übrigens, dass er Katzen mag – was bedeutet, dass die Katze und demzufolge auch Gabriele beim nächsten Mal mitkommen können. Namibia lässt einen eben nicht mehr los.

